Mitglieder-Information

Sensationeller Erfolg der Bürgerinitiativen im Streit um die
Eisenbahnneubautrassen in der Region

Die Bahn habe u.a. vor dem Hintergrund der großen Protestwelle in der gesamten Region, die Planungen für alle Neubaustrecken eingestellt

Liebe Mitglieder,

wir haben einen spektakulären weiteren Erfolg erzielt: Während der gestrigen Sitzung des „Dialogforums Schiene Nord“ in Celle erklärte der Bevollmächtigte der Deutschen Bahn AG – Ulrich Bischoping – die Bahn habe u.a. vor dem Hintergrund der großen Protestwelle in der gesamten Region, die Planungen für alle Neubaustrecken eingestellt und prüft stattdessen das von den vereinten Bürgerinitiativen und einigen Abgeordneten des Bundestages und Landtages eingebrachte alternative Schienenkonzept „Alpha“. Hier handelt es sich um einen umweltverträglichen Ausbau des bestehenden Schienennetzes im Dreieck Hamburg – Bremen – Hannover.
Für die betroffenen Gemeinden bedeutet dies vorerst das „Aus“ für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Ashausen – Scharmbeck-Grevelau – Pattensen – Roydorf – Luhdorf – Bahlburg – Vierhöfen – Wulfsen – die Gellerser Dörfer – Betzendorf – Barnstedt – Region Uelzen nach Unterlüß. Dies ist eine sensationelle Wende im mehrjährigen Ringen der Trassen zwischen Hamburg und Hannover. Daher können wir gemeinsam aufatmen – auch wenn die endgültige Entscheidung erst im November fallen soll.

Damit droht keine Zerschneidung der Gemeinden durch hohe Lärmschutzwände. Es droht keine Total-Verlärmung für unsere Dörfer durch tagsüber verkehrenden ICE und des nachts durch Güterzüge im 5-Minuten-Takt. Vorerst sind außerdem die Sorgen um eine Wertminderung der Immobilien vom Tisch, denn die Bahngleise sollten zum Teil in geringfügigen Abständen an den Dorfrändern verlaufen. Auch die wunderschöne vielfältige und intakte Natur wäre damit gerettet. Mit einem Wort: Unsere Dörfer behielten für die Zukunft ihre hohe Lebensqualität, um die uns viele beneiden.

Zum Sachverhalt: Bis jetzt waren unter den 10 Trassenvarianten in der gesamten Region die Neubaustrecken „klassisches Ypsilon“ und die Hochgeschwindigkeitstrasse von Ashausen quer durch die Landkreise Harburg und Lüneburg nach Unterlüß laut einem Gutachten des Bundesverkehrsministers die absoluten Favoriten. Die bereits im Februar von den Bürgerinitiativen in die Trassen-Diskussion eingebrachte Alpha-Variante landete noch vor 4 Monaten im Ranking „unter ferner liefen“.

Mit zahllosen Protestveranstaltungen sind die Initiativen mit Unterstützung vieler Gemeinden gegen die verkehrspolitisch unsinnigen und Naturzerstörenden Neubaustrecken Sturm
gelaufen.

Die Variante Alpha sieht vor: Den zweigleisigen Ausbau Rotenburg – Verden, die Ertüchtigung der Amerikalinie, die Modernisierung Nienburg – Wunstorf, teilweise ein drittes Gleis Lüneburg – Uelzen und die Zweigleisigkeit Uelzen – Stendal. Grundforderung für den genannten Ausbau ist ein optimaler Lärmschutz über den gesetzlichen Rahmen hinaus, sind sich die Bürgerinitiativen und die betroffenen Gemeinden einig. Eine weitere Forderung ist die Verbesserung des ÖPNV im Landkreis, denn die zusätzlichen Streckenkapazitäten dürfen nicht nur für den Güterverkehr, sondern müssen auch für die Mobilität der Menschen und die Pendlerverkehre in die Metropolregion Hamburg genutzt werden können – nur so wird es eine Akzeptanz der Menschen in der Region geben.

Ein weiterer wichtiger Pluspunkt für Alpha ist die Aussage des Umweltgutachters Dr. Feldt im Hinblick auf den Naturschutz: „Trassen, die FFH-Gebiete und EU-Vogelschutzgebiete durch-schneiden sind rechtlich ein K.O.-Kriterium“. Nach seiner ersten Einschätzung sind die von der Bahn vorgeschlagenen Neubaustrecken mit den naturschutzrechtlichen Bestimmungen nicht vereinbar.

Allerdings müssen wir ein wenig Wasser in den Wein gießen, denn Alpha ist noch nicht in trockenen Tüchern. Erforderlich ist noch der Nachweis der Wirtschaftlichkeit des Trassensystems, die zurzeit mit Hochdruck vom Bundesverkehrsministerium geprüft wird. Hier gibt es aber hoffnungsvolle Lösungsansätze mit den geplanten Kapazitätserweiterungen im Hafenhinterlandverkehr.

Außerdem steht noch die verkehrspolitische Zustimmung der Stadt Hamburg aus, die statt des Alpha-Konzeptes eine Neubaustrecke in Nord-südlicher Richtung fordert. Dagegen stehen jedoch die aktuellen Zustimmungen zum Alpha-Konzept von Bremen, Niedersachsen und Wilhelmshaven mit dem Tiefseehafen Jade-Weser-Port.

Lassen Sie uns, liebe Mitglieder, gemeinsam die Daumen für den endgültigen Erfolg drücken. Wir werden Sie / Euch weiterhin auf dem Laufenden halten.
Es grüßt Sie / Euch aufs herzlichste
Eberhard Leopold
P.S.: Damit nicht genug der guten Nachrichten – inoffiziell sind aus dem Rennen: Die klassische Y-Trasse, die Breimeier-Trasse, die Schienengüterverkehrsstrecke Maschen-Celle entlang der A 7, der Ausbau der Hauptstrecke Hamburg – Hannover bis Uelzen bzw. Celle und die Heidebahn.
Zu erwähnen wäre noch, dass die wesentlichen Initiativen für die Alpha-Trasse von unserem Bürgerbündnis ausgegangen sind: Sowohl der Antrag, die Alpha-Trasse in den Kreis der zu prüfenden Streckenvarianten aufzunehmen (Februar d. Js.) als auch die nochmalige Überprüfung der Wirtschaftlichkeit (Juni 2015).